Industrie 4.0 – Wie sehen Unternehmer die Digitalisierung?

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Ein Nachbericht zum Industrie 4.0-Dialog der Unternehmer in Hamburg

„Wir sind alle noch auf dem Weg“, sagte Dr. Lutz Jänicke von PHOENIX CONTACT und hat damit auf den Punkt gebracht, was die Veranstaltung vermittelte. Die Handelskammer Hamburg hatte zum Industrie 4.0-Dialog der Unternehmer geladen. Nach der Begrüßung durch den Sprecher der Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0, Andreas Pfannenberg, und einem Grußwort von Dr. Torsten Sevecke, Amtsleiter Hafen und Innovation des Hamburger Senats, ging es ins Tun. In kleineren Gruppen tauschten sich die Teilnehmer zu den Themen „Industrie 4.0 in der Produktion“, „Industrie 4.0-Business-Modelle in der Supply Chain“, „Industrie 4.0 als neue (Leit-)Kultur“ und „IT als Grundlage für Industrie 4.0“ aus. Letztere wurde von Mario Spitzmüller vom Industrieverband Hamburg moderiert und brachte zutage, wie die Teilnehmer den IST-Zustand wahrnehmen, was sie als Grundvoraussetzungen für die digitale Transformation ansehen und wo sie – Stand heute – Sicherheitsthemen, Herausforderungen und Hemmnisse sehen.

Alles, was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert

Die Keynote steuerte Heinrich Munz vom Roboterhersteller KUKA bei. Wer bisher noch Zweifel hatte, verstand spätestens jetzt, in welchem Transformationsprozess wir uns derzeit befinden und warum aus unternehmerischer Sicht kein Weg daran vorbeiführt, „alles zu digitalisieren, was sich digitalisieren lässt“ und was dieses für Unternehmen und deren Strukturen bedeutet.
Eine der Hauptaufgabe sei es, das Wissen und die Erfahrungen, welche sich in den Köpfen der Mitarbeiter befänden, zu digitalisieren, stellte Munz in der anschließenden Podiumsdiskussion fest. „Das Know-how der Mitarbeiter muss digitalisiert werden. Mitarbeiter müssen bereit sein, ihr Know-how in neue Werkzeuge einzubringen“, so Munz und weiter: Die Frage nach dem Return of Invest sei hier die falsche. Vielmehr sollten Unternehmen ROI neu definieren und sich fragen: „Was ist mein Risk of Ignorance“. Andreas Pfannenberg, Unternehmer und Sprecher der Hamburger Dialogplattform Industrie 4.0, formulierte die aus seiner Sicht zentrale Frage: „Wie motiviere ich Menschen dazu, sich mit Digitalisierung zu beschäftigen?“. Im Mittelstand, so Pfannenberg, dessen eigenes Unternehmen ca. 500 Mitarbeiter zählt, seien Digitalisierungsprojekte häufig nur als Insellösungen denkbar, die dann irgendwann zusammenwachsen.

Chancen für Industrie 4.0-Business-Modelle

Wie verändert sich das Geschäft der Logistiker durch die Digitalisierung? Dazu gaben Alexander Cohrs von Kühne + Nagel und Andreas Kanow von APL Logistics Einblicke. Deutlich wurden hierbei zwei Dinge: bisherige Geschäftsmodelle erweitern sich um zusätzliche Services, die dem Kunden Vorteile bringen sollen – etwa einfachere Auftragsvergabe, bessere Planbarkeit und damit letztlich effizientere Prozesse. Und: es bewegt sich alles noch stark auf der Meta-Ebene. Auch hier wurde nicht über case studies gesprochen, sondern über Visionen und Strategien. Alexander Cohrs stellte fest: „Digitalisierung ist nicht nur Technologie, sondern hat viel mit Kommunikation zu tun – intern wie extern“.

Arbeiten 4.0 – Herausforderungen in der Praxis

Die Klammer schlossen schließlich zwei Experten-Interviews, in welche die Ergebnisse der Arbeitsgruppen „IT als Grundlage für Industrie 4.0“ und „Industrie 4.0 als neue (Leit-)-Kultur?“ einflossen. Dr. Lutz Jänicke von PHOENIX CONTACT stellte fest, dass bei Digitalisierungsprojekten im Vorfeld viel händische Arbeit nötig ist, um dann einen Qualitätssprung zu erleben. Jan Balcke berichtete aus Sicht einer HR-Führungskraft, wie bei Airbus das Thema Arbeiten 4.0 angegangen wird welche Hemmnisse in einem Großunternehmen zu überwinden sind, um Innovationen zu testen. Ute Poerschke, Unternehmerin aus Thüringen, gab einen Einblick, wie sich die Arbeitsorganisation beim Drahthersteller Elschukom in den vergangenen Jahren gewandelt hat – praktische Ansätze, die in kleineren Strukturen deutlich schneller umgesetzt werden können. Frau Poerschke war übrigens die einzige Frau auf dem Podium – ein Umstand, der die Frage aufwirft, ob weibliche Unternehmerinnen zum Thema Digitalisierung nichts beizutragen haben oder aber – wie häufig der Fall – nicht in den Netzwerken vertreten sind, aus deren Reihen die Gäste für derartige Veranstaltungen rekrutiert werden.

Fazit:

Wenn wir – wie gestern in Hamburg – über Digitalisierung reden, dann bleibt diese Diskussion aktuell meist auf der Metaebene. Es wird über Visionen und Pläne gesprochen, über Fragen, für die Unternehmen aktuell Antworten und Lösungen suchen. Erfreulich: Unternehmen haben verstanden, dass sich Digitalisierung nicht auf den Einsatz von Technologien beschränkt, sondern das wichtigste Kapital bzw. die wichtigste Ressource, die Menschen, in den Blick und mitnehmen muss. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen sind es, die den Unterschied machen. Auffällig, wie bei vielen anderen Veranstaltungen dieser Art: Frauen sind unterrepräsentiert. Machte ihr Anteil im Publikum vielleicht zehn Prozent aus, war es gerade einmal eine Unternehmerin, die in der Runde der männlichen Experten und Moderatoren zu Wort kam.

2018-02-09T14:54:32+00:00 09.02.2018|Tags: , |